Mob Grazing ist unter anderem für Flächen im Ackerfutterbau interessant, auf denen im Zuge der Fruchtfolge Luzerne-Kleegras-Mischungen angebaut werden.
Mob Grazing ist nicht nur für (Dauer)grünlandflächen sondern auch für trockenheitsgefährdete Flächen im Ackerfutterbau interessant, auf denen im Zuge der Fruchtfolge für in der Regel zwei bis fünf Jahre Luzerne-Kleegras-Mischungen angebaut werden. Diese Bestände werden im Ökolandbau oft zur Futterkonservierung als Silage und Heu genutzt oder bei viehlosen Betrieben gemulcht, wobei letzteres erwiesenermaßen zu geringeren Sticksoff-Fixierleistungen der Leguminosen führt. Die Weidehaltung kann eine effiziente und kostengünstige Nutzungsalternativen zur Mahd sein, mit großem Potenzial hinsichtlich der Verwertung dieser Aufwüchse, insbesondere auch durch stehende Futterreserven für die Winterperiode (Stockpile Grazing).
Mob Grazing im Ackerfutterbau stellt besondere Ansprüche an das Management. Herkömmliche Ackerfuttermischungen sind für die Beweidung oft zu leguminosenhaltig. Sie sind dafür gedacht, schnell Stickstoff in den Boden zu bringen und bergen für die Tiere ein hohes Blährisiko. Ergänzend bieten sich tiefwurzelnde Obergräser an, die nährstoffreich und gut an Trockengebiete angepasst sind. Einen Überblick über geeignete Futterpflanzen gibt unser Praxisleitfaden „Trockenheitsangepasste Beweidung".
Die Mischung kann als Untersaat in die Feldfrucht eingesät werden. Nach der Ernte etabliert sie sich über den Herbst und Winter, sodass sie im Frühjahr beweidet werden kann. Einen Einblick in Mob Grazing auf Ackerfutter gibt Mob Grazing-Experte Manuel Winter in diesem Video.
Während Mob Grazing in den USA, Australien und Kanada seit Jahrzehnten bekannt ist, gab es im deutschsprachigen Raum kaum wissenschaftliche Erkenntnisse und lediglich wenige Praxiserfahrungen, meist auf Dauergrünland. Das EIP-Projekt „Mob Grazing im Ackerfutterbau“ wollte das ändern und führte von 2021 bis 2024 einen Feldversuch auf den Flächen des Gut Temmens durch. Der uckermärkische Betrieb betreibt im Betriebsteil „Stegelitz Agrar GmbH“ schon seit 2019 Mob Grazing auf Ackerfutterflächen. Gut Temmen sah sich durch die klimatischen Veränderungen zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, zu deren Bewältigung Mob Grazing einen wesentlichen Beitrag leisten sollte.
Das Projekt beforschte, ob Mob Grazing im Ackerfutterbau eine wirksame Klimaanpassungsstrategie für Trockengebiete sein kann. Die Ergebnisse sind hier zu finden. Enstanden ist in der Projektlaufzeit und darüber hinaus außerdem ein lebendiges Netzwerk aus Projektpartnern und weiteren Betrieben, die gemeinsam an zukunftsfähiger Beweidung arbeiten. Gut&Bösel in Brandenburg wenden Mob Grazing derzeit mit einer Mutterkuhherde von Angus- und Salersrindern an. Der Hof Decker wollte den Kreislauf seines Ackerbausystems schließen und erweiterte seine Milchviehherde 2021 dafür eigens um eine Gruppe Mastrinder, welche nach dem Mob Grazing-Ansatz weidet.