Unsere Projekte bekommen ein gemeinsames Dach für die klimaangepasste Beweidung und mehr Kühe auf dem Acker.
Wie sich Weidesysteme an veränderte Klimabedingungen anpassen lassen, beschäftigt uns seit 2021 – zunächst im EIP-Projekt "Mob Grazing im Ackerfutterbau" und jetzt im neuen EIP-Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung. Beide Vorhaben verbindet ein gemeinsames Überthema: die klimaangepasste Beweidung und Nutzung trockenheitsgefährdeter Flächen durch die Reintegration von Nutztieren in den Ackerbau. Um diesem breiteren Themenspektrum in Zukunft gerecht zu werden, treten wir ab sofort unter neuem Namen auf: Aus dem Netzwerk Mob Grazing wird das Netzwerk Klimaweide.
Klimaangepasste Beweidung bedeutet für uns, die Futterproduktion auch unter zunehmender Trockenheit, Hitze und Wetterextremen langfristig abzusichern. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht. Entscheidend ist ein flexibles Weidemanagement, das an den jeweiligen Standort, die Witterung, den Boden und den Futteraufwuchs angepasst wird.

Der Fokus liegt dabei auf Maßnahmen, die die Bodenfruchtbarkeit sowie einen stabilen Bodenwasserhaushalt fördern. Wer die Tierbesatzdichte anpasst, den Beständen ausreichende Ruhezeiten zwischen den Beweidungen einräumt und den Boden möglichst durchgehend bedeckt hält, nutzt Wasser und Nährstoffe effizienter, schützt die Flächen vor Austrocknung und Erosion und gibt den Pflanzen Zeit, sich zu regenerieren.
Mit der einzelnen Fläche ist es dabei aber nicht getan – Klimaanpassung ist eine Aufgabe für den Gesamtbetrieb. Jahrzehntelange Spezialisierung hat Ackerbau und Tierhaltung vielerorts räumlich wie organisatorisch voneinander entkoppelt. Die Folge: geringere Produktionsdiversität, unterbrochene Nährstoffkreisläufe und weniger Spielraum für flexible Reaktionen auf Witterungsextreme. Deshalb gewinnen Verfahren an Bedeutung, die Nutztiere wieder in den Ackerbau integrieren und zusätzliche Futterressourcen erschließen – wie Mob Grazing im Ackerfutter und die Beweidung von Zwischenfrüchten.
Dass ausgerechnet das Rind ein Teil der Lösung für mehr Klimaschutz und Klimaanpassung sein soll, mag überraschen. Doch wer die Kuh pauschal zum Klimakiller erklärt, übersieht den entscheidenden Unterschied zwischen Stall- und Weidehaltung. Um nicht sukzessive zu verbuschen und verwalden, braucht Grasland weidende Tiere. Beide haben sich über Jahrtausende gemeinsam entwickelt: Der Biss der Tiere löst einen Wachstumsimpuls aus, der die Photosyntheseleistung erhöht und die Gräser mehr Feinwurzeln bilden lässt. Dabei wird Kohlenstoff aus der Luft in Biomasse im Boden umgesetzt und in Humus umgewandelt. Weidende Rinder können den klimaschädlichen Methangasen, die sie ausscheiden, also Humusbildung entgegensetzen. Hinzu kommt: Weidetiere stehen mit ihrer Ernährung aus Gräsern und Kräutern weder in Nahrungs- noch in Flächenkonkurrenz zum Menschen. Werden Mutterkühe in den Ackerbau integriert, verwerten sie Aufwüchse, die für die pflanzliche Nahrungsmittelproduktion nicht nutzbar sind, fördern den Bodenaufbau und liefern hochwertiges Fleisch.
Im Zuge dieser Überlegungen haben wir im EIP-Projekt "Mob Grazing im Ackerfutterbau" gemeinsam mit dem Gut Temmen und weiteren Betrieben untersucht, ob sich das Weideverfahren Mob Grazing für trockenheitsgefährdete Standorte in Nordostdeutschland eignet. Die Ergebnisse, darunter ein Praxisleitfaden für Betriebe, sind unter www.mob-grazing.de verfügbar.

Das neue EIP-Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung nimmt Impulse aus dem Vorgängerprojekt auf. Viele Praktiker aus unserem Netzwerk beweiden nämlich bereits Zwischenfrüchte, aber es fehlt an Forschung zu den Auswirkungen auf Futterqualität, Boden und Tierleistung. Gemeinsam mit sechs landwirtschaftlichen Betrieben erproben wir deshalb unterschiedliche Zwischenfruchtmischungen. Zwischenfrüchte selbst stabilisieren die Bodenfruchtbarkeit und halten Wasser im System – verursachen aber Kosten, ohne in der Regel direkten Erlös zu erwirtschaften. Die Beweidung setzt genau hier an: Die Bestände werden als Futter genutzt, während die positiven Effekte für Boden und Fruchtfolge erhalten bleiben sollen. Zum Start des neuen Projekts ist auch eine neue Webseite online gegangen: www.zwischenfruchtbeweidung.de
Hinter dem Netzwerk Klimaweide stehen – wie schon zuvor – die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und die Klimapraxis gGmbH, gemeinsam mit einer wachsenden Zahl an Praxisbetrieben. Neben der Forschung soll unser Netzwerk ein Ort für Austausch und gemeinsames Lernen sein. Über Feldtage, Workshops und Veranstaltungen kommen Praxis, Wissenschaft und Beratung zusammen, um Erfahrungen zu teilen und neue Ansätze für eine klimaresiliente Weidewirtschaft zu entwickeln. Die Ergebnisse werden in Leitfäden, Fachbeiträgen und weiteren Veröffentlichungen aufbereitet und für die landwirtschaftliche Praxis zugänglich gemacht. Wer Teil des Netzwerks werden oder über Veranstaltungen und Neuigkeiten informiert bleiben möchte, kann sich über für den Rundbrief anmelden.